© 2017 Anton Herzl

TRASH UFO CRASH im VE.Sch

Manifest zur Ausstellung "Trash Ufo Crash" im Kunstraum VE.Sch

 

Seit den frühen 90er Jahren rinnt uns die Kunstgewissheit besonders sandig zwischen den Fingern davon. Fluxusantrieb und Cyberinkubation treiben ein exponentiell inflationäres Spiel mit der vermeintlichen Funktion von Kunst z.B. als Katalysator gesellschaftlicher Prozesse. Weder als Gesellschaftstkritik noch als vorutopische „Bis dahin – Prothese“ hält die Kunst auf ihren vermeintlichen Gleisen.

Magnetschwebepolster adé!

Jeder Mensch ist ein toller Künstler geworden, wirklich wahr, und alle senden, doch keiner empfängt. Gerade noch, die selbst unter brutalen PhaseraufBetäubung-Beschuss geratene Philosophie, versucht sich seit einigen Jahrzehnten als Komplizin der Kunst und beide taumeln entlang der sich zusammenschiebenden Verliesmauern: Folter aus wissenschaftlich gut fundierten Antworten auf die großen Fragen des Menschseins und einer technischen Utopie, die auf vielen Gebieten Realität geworden ist.

Auf der anderen Seite, abseits der uns umhüllenden Bilderflut-Matrix befindet sich ein Planet dessen Ressourcen zunehmend erschöpft werden und dem man immer alltäglicher anmerkt, dass unser Spiel mit ihm in diverse Abgründe führen muss.

Und in diesem Zusammenhang steht nun unter anderem auch die Kunst unter dem Generalverdacht zu der Petersilie zu gehören, mit der wir uns die Ohren vor dieser Wahrheit zustopfen.  

 

Das Achselzucken wird als choreographische Grunddynamik sehr gerne festivalweise aufgegriffen und dem Selbstbestätigungstrieb eines Superbürgertums wird bis zum Generalrechtsruck mit „Kunst ist gleich Aktie – Denken“ jener Platz eingeräumt, der entsteht weil auch Texte wie dieser von geschickten Vermittlern als Ornamentik  schicker

Privatmuseen für alle Cults verwertbar gemacht werden können.

Die Kommentatoren dieser Szenerie haben in der jüngeren Vergangenheit eher mit der

Bilderflut gehadert, ihren Auswirkungen als exhibitionistische Selbstdarstellungsextasen

in den diversen Bigbrotherformaten, und politisch alles mit dem Verlust der OstWestproblematik usw. verarbeitet.

Mit Recht.

Wenn aber diese Bilderflut gleichsam einen Vorhang bildet, der den Blick hinter ihre Matrix verhindert, so stellt sich doch die Frage, was der Ausblick zu bieten hätte, den wir vor lauter Bilder nicht sehen können. Dieser ist, wie ich meine, ein Blick auf den ganz großen Rahmen, den Kosmologischen, wenn man so will und der hat sich eben auch stark geändert.

 

Wie jetzt?

Der Triumphzug der Wissenschaft führt uns in Makros und Mikros, die wir mit unserem Alltag nicht mehr in Verbindung bringen können: Quanten-nix-verstehe-ehrlich!

Doch das weiß jeder: Evolution ist gleich Mensch ohne Gott, und sie selbst wird, während

wir mit unseren Fernrohren in Wolken aus organischen Stoffen gaffen, welche die Bausteine des Bio-Lebens darstellen, als einmalige Schöpferin immer unwahrscheinlicher.

 

Und die alte Rede von der unüberbrückbaren Entfernung – E.T. nach Hause telefonieren –

verliert ihren dogmatischen Gehalt, wenn wir mit Quantenverschränkungen Fernwirkungen erzeugen, mit denen wir in Echtzeit Information übertragen.

Aber wir telefonieren ja mit niemanden, noch nicht, und möglicherweise, das was wir als

„wir“ bezeichnen schließlich auch nie… Der Verdacht auf ein Drüben vom Hüben reißt allerdings eine existenzielle Linie auf, die man für recht tot gehalten hat: Das Denken in Transzendenz!

 

Die Neue Rede von der Transzendenz im Materiellen soll kein DaCapo einer Befragung des Materials sein, wie im Sinne  Beuys - der Filz und das Fett. Nein!

Ich meine mit der Transzendenz im Materiellen jene Entwicklungen, die sich ergeben

seitdem wir uns mit dem Satz „Gott ist tot“ ein Leben hin zum jenseitigen Paradies verboten haben und das Programm in Utopien zu leben verwährt haben. Kurz: Wir haben das Diesseits zum Jenseits gemacht und ich möchte jene Bereiche als Beweise für diese These anführen

die augenscheinlich dafür sprechen.

 

Das Unidentifizierte Fliegende Objekt außerirdischen Ursprungs steht, dem Geboten dieser Überlegung folgend, jener neuen Dynamik im Focus, die versucht mit allen erdenklichen Mitteln, jene Transzendenz neu zu befüllen, welche die Hoffnung auf eine Gesamterlösung

statt in ein seelisches Jenseits in unendliche Weiten projezieren und zwar ernsthaft:

 

Namentlich die UFOlogie übertrifft alles in ideser Denke bisher dagewesene  um Lichtjahre: Alle Merkmale einer Religion sind vorhanden. Die Erscheinung, das zu Glaubende, die Hysterie, es ist ein Genuss! 

UMWERTUNGEN

Manifest zur Ausstellung "Umwertengen" in der AUSARTEN [ ] - ZENTRALE, Wien

 

Wir sind hier um ein Ritual zu wiederholen, dass ich jetzt kurz als Kunst-gemeinschaftliches Zusammensein zum Zwecke der Einlullung in die Kunsthülle bezeichne.

Unsere Wertung von Kunst scheint ihre vorgebliche Veranlagung dort gefunden zu haben, wo die Exponate in besonderer Weise dazu geeignet sind, uns in der Matrix Kunst festzusetzen. 

 

In meiner Hand halte ich ein Megaphon, durch das ich spreche wie der Agitator einer

Gewerkschaft und ich ernenne diese Bild von mir zum Hauptwerk dieser Ausstellung.

Denn es ist längst wieder an der Zeit, dass die Kunst aus ihrem Elfenbeinturm auszieht und echte gesellschaftliche Agitation erzeugt. Das Zeitalter der unpolitischen Kunst muss vorbei gehen, oder die Kunst geht mit jenem Teil menschlicher Existenzformen unter, die uns wie die Augen des personifizierten Wahnsinns anstarren.

 

Mir ist bewusst, dass wir alle eine Lebensform repräsentieren, in der wir durch die Jahrzehnte des ökonomischen Wachstums verlernt haben, uns als politische Subjekte wahr zu nehmen. Trotzdem stelle ich in den Raum, dass die Zukunft unsere Welt nur dann bewältigt werden kann, wenn sich jeder einzelne, an jedem Posten dieser Gesellschaft seiner Verantwortung NEU bewusst wird.

 

Manche Voraussetzungen dafür haben wir teilweise verlernt, in anderen Teilen unserer Entwicklung gibt es aber sicherlich Momente, die VERBESSERTE Voraussetzungen für diese neue gesellschaftliche Utopie, geboren aus einem Künstlerischen Freiraum, mitbringen.

 

Zum Beispiel sind wir vernetzt und auf Flexibilität getrimmt, die Gesellschaft hat wieder mehr Konturen und wir lernen jeden Tag was wir WOLLEN und was wir NICHT wollen.

Wir leben in der Zeit des Arabischen Frühlings, Afrikanischer Freiheits-Bürgerkriege, aber auch Erdbeben, Vulkanausbrüche und Tsunamis zeigen uns,

in unserer kurzen LEBENSSPANNE, die Verletzlichkeit des gesamten Planeten.

 

Andererseits wissen wir, dass wir nur wenige Jahre von einer vollkommen runderneuerten Energiewirtschaft entfernt sind, wenn WIR nur wollen!

Die Kunst kann entweder weiterhin dazu missbraucht werden, das Establishment, dem wir als Bewohner eines superreichen Landes ohnehin alle angehören, zu zementieren, oder sie bekommt ihre SPANNENDSTE EIGENSCHAFT zurück: Das Infragestellen der herrschenden Verhältnisse. Sticheleien seien unser Geschäft! Wer uns sponsert, soll den Willen zur Veränderung sponsern – Nicht die Mehrwertatmosphäre in Kunst geparkten Kapitals. Die Künstlerschaft hat die Veranlagung den etablierten politischen Parteien dabei zu helfen über den Tellerrand ihrer Verpflichtung zur Bequemung der Wähler hinaus, Impulse zu liefern, Willen darzustellen, neue Generationen zu bilden,  NICHT einfach als Opium fürs gehobene Volk zu wirken um dieses einzulullen.

Es geht nicht um Schuldzuweisungen, denn die Entwicklung der Welt in den letzten 200 Jahren ist ein Phänomen, das ebenso faszinierend wie erschreckend ist. Natürlich gibt es

keine gute alten Zeit. ABER, in einer Zeit, in der die nötigen Entwicklungsschritte der Menschheit, wie eingefroren, unmöglich erscheinen, und selbst 20-Jährige von einem bürgerlichen Wohlstandspragmatismus oder von Resignation geprägt sind, gibt es mehr als gute Gründe Utopien zu fordern, welche, wie alternative Energiequellen, technischer Natur sind.

 

Ich sehe Wind-, Gezeiten- und Erdwärmekraftwerke, ich sehe besser organisierte Mobilität, und ich sehe eine Kunstavantgarde die vorzeigt, dass es möglich ist, Konsequenzen aus Lernprozessen zu ziehen . Es gilt vorzuzeigen, wie man sein Leben demonstrativ täglich sinnvoll verbessert, ich sehe die Notwendigkeit eines neuen Aktivismus und ich glaube daran, dass die Menschen im Kunstfeld  in der Lage sind, ihr Verhalten demonstrativ zu verbessern.

 

Die Kunst hat das Zeug dazu, Gehirne zu aktivieren, eine aktive Kraft in der Neugestaltung

globalen Zusammenlebens zu sein. Sich selbst erfinden, das ist doch das Privileg kunstbezogener Praxis.

Für uns alle, bedeutet dies, dass wir lernen müssen. Dass wir uns Vorbilder schaffen müssen, auf der einen Seite und auf der anderen Seite unser Dasein selbst definieren müssen.

Ich fordere dies im Namen der Freiheit der Kunst, im Namen ihrer Kraft durch Subversion  Potenzial für Erneuerung mit zu ermöglichen, ihrem Vermögen Veränderungen herauszufordern. Ich fordere uns, die Spieler im Kunstbetrieb, auf das Spiel mit den Werten nunmehr  bewusster zu treiben!

 

Wenn die Sponsoren des größten Musik-Festivals diese Landes mahnende Reden absetzen lassen und wir uns aber lieber über den Arrest von Künstlern in China echauffieren, dann finde ich, dass wir erbärmliche Heuchler sind.

Hier, in Österreich, wird im Kulturbetrieb das Maul von kritischen Stimmen gestopft;

Kein Aufschrei! Kein Ausarten! Kein Umwerten! Kein dagegen Anmalen, Schreiben,

keine Karikaturen. Wir spucken lieber in ferne Länder, dort kennen wir die Missstände

und sind schick dagegen. Ai Wei Wei wird eher profitieren als Schaden nehmen von seinem

Geschicken als politische Geisel. UMWERTEND möchte ich die alte Weisheit aus dem Reiche der Mitte kurz in Anspruch nehmen:

 

Lao Tse, Tao Te King, Kapitel 80

„Ein Land mag klein sein

und seine Bewohner wenig.

Geräte, die der Menschen Kraft vervielfältigen,

lasse man nicht gebrauchen.

Man lasse das Volk den Tod wichtig nehmen

und nicht in die Ferne reisen.

Ob auch Schiffe und Wagen vorhanden wären,

sei niemand, der darin fahre.

Ob auch Panzer und Waffen da wären,

sei niemand, der sie entfalte.

Man lasse das Volk wieder Stricke knoten

und sie gebrauchen statt der Schrift.

Mach süß seine Speise

und schön seine Kleidung,

friedlich seine Wohnung

und fröhlich seine Sitten.

Nachbarländer mögen in Sehweite liegen,

dass man den Ruf der Hähne und Hunde

gegenseitig hören kann:

und doch sollen die Leute im höchsten Alter sterben,

ohne hin und her gereist zu sein.“

„AUSARTEN“ haben wir uns genannt, und zahlen fromm den Mitgliedsbeitrag.

Also gut, arten wir artig aus:

 

Nicht weit vom Future Garten,

vereint sich jetzt Ausarten,

der Herzl tut umwerten,

gar nette Leut´ verkehrten:

 

Beklemmt zu Boden starrten,

die auf das Ende warten,

von einem Text der fetzt,

hoch d´ Zeigefinger hetzt.

 

Man stellt sich vor Exzesse,

jenseits der Moral,

Gesichter voll der Blässe,

für Orgien bezahlt!

 

Doch ich will´s Euch verraten,

vom der Spaßkultur ausarten,

heißt folgendes aufwarten:

 

Der Exzess von den Exzessen,

ist von Moralen neu besessen,

gegen´s  Laisse-faire der Dinge,

denn die Welt steckt in der Schlinge:

 

Ich kann keine Rosa Wolken, -

ich kann keinen Lustmarsch bieten,

auf der Alm wird Caesium gemolken,

was sollen mir da abstrakte Rieten?

 

Ich bin ehrlich, weil´s mich juckt,

dass Japan tausend Tode spuckt,

ich kann nicht vergessen machen,

dass wir in den Abgrund lachen.

 

Ausarten, das heißt doch heute,

„ich bin raus hier“, ehrlich Leute,

ich bitte hier um Kenntnisnahme,

das ich als Hofnarr stark erlahme.

 

In Wien vor die Atombehörde ziehen,

und es der ganzen Welt verraten:

Dort herumschreien! - heißt „Ausarten“,

ich will auf Flugreisen verzichten

und es jedem, der´s nicht hören will,

mit diesem Megaphon berichten!

Ich will, dass mein Kind es sieht,

das bei mir der Schmäh nicht zieht,

von der Erbauung – nur durch Kunst,

Gratisbier und Haschischdunst,

ich bin bei Gott nicht ideal,

doch die Wut hat mich nun mal

„Ausarten“ will ich total:

 

„Ausarten“ – das heißt doch bitte,

dass man Grenzen jetzt zerbricht:

und über jede Scheiße spricht –

Fukushima! Fukushima!

Tschernobyl, geht es noch schlimmer?

 

Aber ja, ich kann´s Euch ZEIGEN:

Das Schlimmste wär´, bei meiner Ehr:

Im AUSARTEN nett auszustellen

- und zur Weltlage zu schweigen…

BRIEF AN MICHAEL

 

Danke für Dein Schreiben anlässlich Deiner Ankunft und die ersten Eindrücke.

Ich wünsche Dir natürlich die ganze Zeit über schönes Wetter und einen grauen Schmetterling, der in Dein Fangnetz hinein flattert und dort die alte, sexistische Version der Bundeshymne furzt, während sich ein Schimpanse das Gehirn aus dem Schädel reißt, um irgendwie dem Fortschritt der Menschheit in vorauseilendem Gehorsam einen schmerzhaften, aber ansonsten ordnungsgemäßen Dienst zu erweisen, den wir so weder von ihm noch von den Meteorologen, die durch ein Dauerhigh an seiner Anwesendheit in viel zu nördlichen Breiten schuld zu sein scheinen, erwartet hätten, noch in einer plusquamperfekten Vision dessen, was noch über uns hereingebrochen sein wird, wenn wir wir jetzt schon fassen könnten, wer wir sein werden, wenn dieser Text an seinem Ende angekommen sein wird, obschon wir stets darum bemüht sind uns kurz zu fassen, damit das zu Sagende, also sein Inhalt, hervortritt und nicht seine Form. Ja!

Wenn Du also das erste mal in die unbekannten Höhlen steigst, die darauf hin erkundet und darüber hinaus gesichert worden sein werden, und eben als solche auch nicht mehr bezeichnet werden können werden, wirst Du das Schöne Wetter, das ich Dir oben gewünscht hatte, zwar nicht mehr brauchen, aber falls es dankenswerter Weise eintritt, es wenigstens in gegenseitiger Abwesenheit zu schätzen wissen. Und darum geht es mir hier! – Der Charakter der von uns vermuteten Welt, Du musst wissen, ich habe heute Baudrillard gelesen, macht mir manchmal zu schaffen, vor allem im Schlaf, denn dann sei man an und für sich, schreibt er, und Folgendes  hat mich wirklich ermüdet: das Objekt sei per definitionem dasjenige, welches sich vom Subjekt im Akt der Entziehung unterscheidet und definiert zugleich und je weiter wir uns ihm nähern, desto mehr entzieht es sich, bis hin zu seiner völligen Auflösung. Wie löst es sich auf, das Objekt? Indem sich die Sprache auflöst, wenn ich es richtig nachgeäfft habe. DAS kenne ich!

Immer wenn wir an einander denken, Michael, ist das Wort knapp davor, wie mir scheint, zerquetscht zu werden und sich schleimig verflüssigt in den Abguss zu stehlen im Begriffe. Ach! Dies sind die Träume, die mir meteorologisch-visionär die Nächte stehlen, als wären sie Objekte, denen ich zu nahe träte. Michael, Atmosphären sind die Dinge und aus dem Nichts gemacht, steht dort! Im Kunstlicht entziehen sich sogar die Züge der aus Temperaturunterschieden geborenen Bewegung  meiner luftigen Realität. Es ist ein Gemisch aus Schall und Feinstaub, das durch alle Löcher und Poren in meine Seele steigt, wie die Frage nach dem Bewusstsein: Sechsundzwanzig Dämonen gaukeln einen Tanz der „ich“ heißt vor und bevor sie ermüden und ich in die Realität zurückfalle oder verscharrt werde, träufel ich Imaginäres in das Symbolische bis es geladen ist zu Realem, als eine Seifenblase, die doch ein paar Milligramm schwerer ist, als die Luft und schließlich fällt und platzt. Tot! Ich aber und Du aber, Michael, wir albern hier noch ne Weile rum, denn hier ist Platz für Dein und Mein und ihres obendrein. Genieße die Zeit und melde Dich aus dem Labyrinth zurück, wenn es beschildert und vermessen, neu benannt und Du ein anderer geworden sein wirst.  

Dein Anton

DER VERRAT DER PFEIFE

Text zu der Serie „Open Semantics"

„La trahison des images“ – zu deutsch „Der Verrat der Bilder“ ist der Titel des Meisterwerkes von René Magritte aus dem Jahr 1929. Auf diesem Bild ist eine relativ realistische Abbildung einer Pfeife zu sehen, unter der „Ceci n’est pas une pipe“ zu lesen steht: „Die ist keine Pfeife“. Gemeint ist der Unterschied zwischen der Abbildung – egal wie sehr der „Realismus“ vorherrscht - einer Pfeife und eines Gegenstandes, der tatsächlich eine Pfeife ist, weil er z.B. als solche benützt wurde.

 

In der Philosophie ist dieses Problem in vielerlei Formen aufgegriffen worden. Der Begriff vom „Ding an sich“, wie er bei Heidegger (egal wie man zu diesem Philosophen steht) entstanden ist, problematisiert das Verhältnis von Sprache und Gegenstand, Beschreibung und Wahrheit erneut und führt schließlich in die bedeutendste Bewegung der Philosophie der vergangenen zwei Jahrhunderte: Der „liguistic turn“, also die relativ späte Einsicht der Philosophie, selbst keine Beschreiberin der Realität, sondern ein „SPRACHSPIEL“ zu sein (Wittgenstein, Österreicher).

Dieser, von diesem Epizentrum der Erkenntnisphilosophie, ausgehende Kulturschock setzte sich in der Folge nicht nur in der Philosophie fort, sondern betraf auch Mathematik, Wissenschaftstheorie und natürlich die Kunst (als Wahrheitsspenderin im Sinne der akkuraten Abbildung).

 

In der Mathematik wurde mit dem Österreicher Kurt Gödel die Vorstellung von der Wahrhaftigkeit in der Mathematik zerstört. In der Wissenschaftsphilosophie wurde mit dem österreichstämmigen Sir Karl Popper, die Vorstellung von der Konstruktion einer objektiven Wahrheit mittels der Wissenschaftlichen Methode abgestellt, da er zeigen konnte, dass wir wissenschaftliche Theoreme immer nur falsifizieren, niemals aber, verifizieren können, da immer nur eine endliche Anzahl von Versuchen in einem endlichen Zeithorizont möglich ist.

 

Der Österreicher Sigmund Freud stellte fest, dass der Mensch kein vernünftiges Wesen ist, da er von Trieben und den unbewussten Prozessen seines Gehirns gesteuert wird.

 

Mit der Betitelung eines möglichst beliebigen informellen Wandobjektes, dessen neon- Farbgebung lapidar als „Faschingsfarben“ bezeichnet werden und die mit Brocken aus Papiermaché gerade noch ein autobiografisches Zitat ermöglichen (da dieses Material Franz West oft benützt hat)  „DIES IST KEINE PFEIFE“, stellt der Künstler einen Bezug her, der dadurch einer ist, dass er eben keiner ist, oder zumindest keiner zu sein scheint, wüsste man nicht um seine Behauptungen bescheid, die auf dieses Blatt Papier gedruckt erscheinen. 

Dandy Dust

DIE LAMELLE

Die Lamelle verlässt den Schminkkoffer, kriecht wässrig triefend über den Spiegel der zur Malerpalette verkommenen französischen Psyche und tropft auf die gewachsten Buchenbretter einer Maske, in der Äonen von Illusionen sich prismatisch brechen, aufgefächert in die Farben prächtiger Protuberanzen aus Fantasie und Lebenslust; als Schatten dieses Spiels huscht sie entlang der Wände einer wiener Mietgarconniere und hüpft fröhlich im Flackern eines Polizeiautoblaulichts, welches seit einer ganzen Weile durch die Nachbarfenster einer offiziell markierten Wohnstraße blinzelt und in die Träume jener bürgerlichen Wesen, die hoffen den abgründigen Kern ihrer menschlichenExistenz mit einem pigott vorgeführten Pseudorationalismus betäuben zu können eindringt und verwandelt sich in das unruhige Hin- und Herwandern ihrer Augäpfel hinter den verschlossen Augenliedern, schlüpft mit dem erschrocken Blick ihres Erwachens wieder aus ihnen heraus, nicht ohne ihre Seelen bestohlen zu haben um das Kleinod einer vergebenen Unsterblichkeit, und lächelt sie einen Moment lang an, bevor sie sich weiter ausbreitet, ausdehnt, quillt und sich erhebt zugleich, und ihn zittriger Balance, stolpert über ein paar leere Wodkaflaschen, deren Geist verflüchtigt und Schwere verblieben zu sein scheint, doch ihr reflexartiger Rückzuck, der dem Schrecken in den Fühlern einer Schnecke gleicht, kündet schon die nächste Expedition jener Ausstülpungen aus reinen Nerven, deren Organelle auf allen Frequenzen empfangen und senden... (antonherzl, 2014)

WISSENSCHAFT VS RELIGION

– Vom Unbehagen an einander

Die Gegenüberstellung von Wissenschaft und Religion hat zunächst überhaupt keine Wirkung. Man muss auf jeden Fall Umwege gehen, um diesen Diskurs irgendwie zu eröffnen und dazu kommen eben die Kunst und die Philosophie ins Spiel. Denn wenn man diese beiden Begriffe an einander stellt, muss man zunächst nach einer Kategorie suchen, also einem Gefäß, indem sich beide zugleich befinden. Ein solches wäre der Begriff von der Welterklärungsmaschine. Das Produkt solcher Maschinen ist eine Meterwurst namens Gewissheit. Da Produkte bekanntlich zumeist dazu dienen Bedürfnisse zu stillen, führt dieser Gedanke zur Frage, was der Mensch unter Gewissheit wohl versteht? Dazu würde ich gerne einen Begriff der Psychoanalyse bemühen, nämlich der vom Todestrieb, also jenem Begehren das begehrt, dass das jeweilige Begehren erlischt. Ähnlich ist es mit dem Phantasma der Gewissheit. Kaum ist die Gewissheit aber als Phantasma bezeichnet, hat man im Vergleich zwischen Religion und Wissenschaft schon Partei ergriffen. Oder doch nicht? Denn , klarerweise, als moderner „aufgeklärter“ Mensch „weiß“ man vorgeblich schon, dass religiöse Inhalte bestenfalls als gleichnishaft und parabolös daher kommen, während Welterklärungen der Wissenschaft vorgeblich „absolutes Wissen“ verbreiten.

 

Doch halt! Letztlich erreichen uns als Konsumenten von Meterwurst die Erkenntnisse der  wissenschaftlichen Methode ebenfalls als eine spezielle Literatur, als Mythologie, wenn man so will: Die Eigenschaften von Atomen und Schwarzen Löchern, ihre kosmologischen Ursprünge im „Urknall“, die Erforschung von Dunkler Materie- und Energie. sind, mit Verlaub ebenso nahe, wie einst die Spiele der Götter auf den Olympen der jeweiligen Kultur- und Religionskreise. Und zu allem Überfluss wissen wir mit Gewissheit nur, dass wir unser Wissen jeweils nur falsifizieren können, niemals aber, auf Grund der Endlichkeit unseres Daseins, verifizieren, und damit sind wir schon dort wo die Esoterik anfängt, nämlich beim Blick des Endlichen Wesens auf das was wir Unendlichkeit nennen, und damit auf alles von dem wir zwar Begriffe haben, aber keine direkte Anschauung: Und überall ist davon in irgend einer Form die Rede: Die Singularität, die Unendlichkeit, das Reale, das Ding an sich, das wovon man schweigt, weil man traktatisch nicht davon sprechen kann, die verschiedenen Mächtigkeiten von Unendlichen Mengen, den Regeln im Chaos  etc.  Wehe aber dem, der einfach nur von Gott spricht, vom Guten und Wahren und dann ein Bisserl Mohamed zitiert oder Jesus oder Moses oder Buddha oder „Harri Harri“ singt. DAS kommt nicht in die aufgeklärte Tüte, höchstens ins Speibsackerl jener neuartigen Gewissheit, die auf Rationalität fußt. Doch diese Religion der Rationalität ist es eben auch, die Atomwaffen und Atomkraftwerke hervorbringt und das Unbehagen darüber dringt tief in die vorgebliche Gewissheit ein, die daraus eigentlich entstehen hätte sollen, angeblich. Ein Einspruch, an dieser Stelle: Die Wissenschaftliche Methode sei doch keine Weltanschauung – ist natürlich ebenso berechtigt, wie entlarvend: Tatsächlich lässt sich mit logischen Argumenten eine „Lehre vom Richtigen Handeln“ - also eine Ethik - ebenso wenig konstituieren, wie mit althergebrachten, zwar wohl bewährten, aber  „gottgegebenen“  Weltsichten.

 

Diese Diskussion will hier nicht auslaufend erörtert werden ( obwohl sehr interessant) um das Neue in diesem Diskurs nicht allzu weit nach unten zu versetzten:  Es ist dies eine Verschiebung dieses Auseinandersetzung in den Bereich politischer Loyalitätsfragen! Damit ist dieser Konflikt, um es mit Zizek zu sagen, eine „Suspension des Ethischen durch das Politische“ geworden und schädigt letztlich alles, sowohl das bereits im Konsens Erreichte, als auch das noch zu Erreichende. Die Gegenüberstellung von Wissenschaft und Religion wird also heute zunehmend überlagert von den Argumentationsfronten entlang des sogenannten „Clash of Civilizations“.  Dass es sich dabei teilweise um eine Verschiebung aus politischen Gründen (welchen auch immer) handelt, zeigen jene Paradoxien, die die jeweiligen Orthodoxien der Religionsgemeinschaften hervorbringen: Namentlich sind es die Gleichheiten im Fundamentalen, z.B. die Ablehnung von Homosexualität, die bei den Fundis aller Seiten umso höher im Kurs zu stehen scheint, je besser es den (laizistischen) Staaten gelingt, die jeweiligen Minderheiten zu schützten. Die Heiligen Kriege sind jedenfalls, im Namen aller möglichen Begrifflichkeiten, sich gegenseitig längst erklärt worden, und die Achse des Bösen verläuft tatsächlich wohin man schaut. Das Kehren vor der eigenen Türe  ist eine Übung, die gerade jenen schwer fällt, die sich im Glauben befinden, einer besonders wahren Idee zu dienen. Leider gilt dies natürlich auch für alle Leitbilder, die nicht (nur) aus Religion, sondern auch aus ihren vermeintlichen Gegenteilen gespeist sind. Die  einen lassen ihre Kinder sich in die Luft sprengen und die anderen erfinden private Firmen wie Blackwater, welche die Drecksarbeit der „Gerechten Folter“ übernehmen, ausgelagert versteht sich,  an Orten wie Guantanamo. Wenn dieser Text, die Auseinandersetzung mit den Begriffen Wissenschaft und Religion bisher in einem geographisch-politischen  Außen verortet hat, dann vielleicht auch deshalb, weil es sich um eine leidige Front handelt, die, wie mir scheint, bei jedem Menschen, auch einen inneren Verlauf nimmt:  Spätestens wenn man sich bei einem inneren Dialog mit einem verstorbenen geliebten Menschen erlebt, steht man vor der Wahl sich entweder  als pathologisch deviant oder als ahnenkultbegabt jenseitig zu beschreiben. Selbst der verstiegenste  Atheist würde eventuell sagen,  DAS sei ganz normal, aber hier betreten wir schon jenen Raum, der uns schnurstracks zu religiösem Denken führen kann. Wir sind der Stoff aus dem das Bewusstsein hervorgebracht wird. Natürlich bin auch ich der Meinung, dass dies eine Leistung des Gehirns ist, also das Ergebnis eines elektro-chemischen Prozesses. In der Erforschung des Phänomens gibt es aber jede Menge Probleme: Das kardinale davon besteht im Versuch das Bewusstsein zu definieren. Tatsächlich gibt es keine Konvention über diesen Begriff. Etwas esoterisch angehaucht könnte man sagen: Das Bewusstsein ist jedenfalls eine eigene  Kategorie in diesem Universum. Manche pragmatisch an der Wissenschaft orientierte Denker, wie Dan Dennett, behaupten zwar, das Bewusstsein sei einfach nur eine „Illusion“. Bei genauerem nach-Denken wird man aber spüren, dass es für eine Illusion ein mit der Illusion zu betrügenden Subjekt geben muss. Dieses Verwerfen des von David Chalmers ausgearbeiteten „hard problems“, der Frage was das Bewusstsein eigentlich ist, durch Dennett  ist daher eher zu lapidar. Immerhin, und dies ist ein Gedanke, der aus der Philosophie der Wissenschaft sozusagen bis in die Religion hinein mündet, sind wir als bewusste Wesen jene Schnittstellen, die das Universum dazu bemächtigen einen Blick auf sich selbst zu werfen. Wir sind der Stoff aus dem die Träume  sind! Die wissenschaftliche Methode hingegen ist dazu gemacht über das zu sprechen, worüber sie grundsätzlich sprechen kann: Über wiederholbare Versuchsanordnungen und wiederholt beobachtbare Phänomene. Wie Deleuze in seinem Text „Differenz und Wiederholung“ schön heraus arbeitet, ist sie für das „Einmalige“ und wie Deuleuze weiter meint, Atmosphärische, wie wir es z.B. in der Kunst kennen, blind. Es ist dieser Gedanke nicht im Problemfeld Deduktion und Induktion - kennen aller Parameter - Chaos und Wahrscheinlichkeiten - sondern  für  jene Fälle jenseits ihrer methodischen Begrifflichkeit ein schöner Hinweis auf die unsägliche Beschränktheit der wissenschaftlichen Methode auf so vielen Ebenen.

 

Eine Philosophie wünscht an dieser Stelle natürlich nicht, dass die naiven Vorstellungen herkömmlicher Volksreligionen an den frei werdenden Platz treten wie Heilige die nach Auswahl einer passenden Harfe eine Wolke in Anspruch nehmen; bildet  aber gerade diese  Gewissheit, dass uns die Wissenschaft keineswegs eine solche bereit zu stellen vermag. (Weder die Harfe, noch die Wolke noch die Gewissheit). Es gibt Anthropologen, die meinen, religiöse Geste und das Glauben als solches, wären in die menschliche Existenz durch die Äonen ihrer evolutionären Werdung  unauslöschlich eingeschrieben, namentlich in die Strukturen des Gehirnes und damit seines sozialen Selbstverständnisse uvm.

 

Leider brächte eine derart halbaffige Sicht auf den (meiner Meinung nach) sichtlich aus dem Tierreich stammenden Menschen auch den Gedanken mit sich, dass er ebenso zum Foltern und Morden prädisponiert sei, wie zum Glauben an unsichtbare Mächte. Naiv wäre angesichts solcher Gedankenketten möglicherweise mein Wunsch, der Mensch wäre darüber hinaus aus irgendeinem, wenn auch noch so jenseitigen Grund, dazu in der Lage, Verhaltensregeln hervorbringen, die ihn davon abhalten, dieser seiner vorgeblichen Veranlagung zu folgen.

Wenn man nicht mehr weiter weiß, hilft einem oft ein guter Aphorismus – da kenne  ich einen, keine Ahnung von wem, und der geht ungefähr so: Über das Schöne lässt sich vortrefflich streiten, über das Wahre lässt sich jederzeit Krieg führen, nur das Gute erkennen wir immer. 

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